Familientreffen
Am nächsten Abend schrieb Johnny eine
E-Mail an seine Eltern. Er erzählte ihnen, dass er Vater wurde und
sich mit Theo verlobt hatte, was gerade von seiner Mutter Jenny mit Begeisterung
aufgenommen wurde.
Sein Vater Polli-Tech akzeptierte die Entscheidung seines Sohnes ebenfalls, doch
als Familienoberhaupt musste
er sogleich über die Konsequenzen nachdenken, die eine Verbindung der Familie
Schmidt mit der Familie Grunz mit sich brachte.

Zu Johnnys freudiger Überraschung
schickte Techie seinem Sohn etwas Geld, damit die werdenden Eltern
in ein kleines Häuschen auf dem Campus ziehen konnten, wo sie das letzte
Semester in Ruhe verbringen konnten.
Johnny und Theo waren Techie dafür sehr dankbar, denn Ruhe war genau das, was
Theo jetzt am meisten gebrauchen konnte,
besonders nachdem General Grunz seinem Sohn wieder so zugesetzt hatte.

„Es ist klein, aber okay, meinst Du
nicht?“ „Es ist perfekt. Ich bin froh aus dem Wohnheim raus zu sein,
da muss ich mich nicht mehr in diese engen Klamotten zwängen. Die Hose wird
langsam eng.“

Theo nutzte die Privatsphäre des kleinen
Häuschens, denn ihm passte kein Stück seiner Klamotten mehr und
da die Hitze dieses Jahr eh unerträglich war, lief er einfach in Unterwäsche
herum, worin er deutlich seinen besonderen Zustand zeigte.

Theo bereitete sich weitgehend zu Hause
auf seine Abschlussprüfung vor, während Johnny nach wie vor in die Vorlesungen
ging.
So war Theo zwar sehr oft alleine, doch sein Verlobter machte dies durch
intensive Fürsorge wett, wenn er endlich zurück war.
Doch auch Johnnys Zärtlichkeiten halfen Theo nicht darüber hinweg, das er sich
langsam unwohl fühlte,
dass sein schwerer Leib ihm zusehends Schwierigkeiten bereitete.

“Was meinst du“ sagte Theo zu Johnny, „wie lange wird es noch dauern? Reicht die
Zeit noch, um die Abschlussprüfung und
die Hochzeit hinter uns zu bringen, ehe das Kind kommt?“ Johnny legte seine Hand
auf Theos Bauch und versuchte eine
Verbindung zu ihrem Kind zu bekommen, so wie sein Vater es schon mit ihm getan
hatte, als er noch im Bauch seiner Mutter Jenny war.
Zwar hatte er nicht die volle Fähigkeit zur Kommunikation mit Ungeborenen wie
ein reinrassiger Alien, doch immerhin konnte er sagen wie weit das Kind war.

„Es wird knapp“ meinte Johnny. Doch wenn
wir die Prüfungen sofort schaffen und gleich darauf heiraten, klappt es.“
„Die Prüfungen sind nicht das Problem“ erwiderte Theo. „Aber wir haben noch
keine Wohnung und kein Geld für eine schöne Hochzeit.
Das Geld für meine Bilder ging für mein Studium drauf.“ Johnny nahm Theo
lächelnd in die Arme.
„Mach dir keine Gedanken. Wir können vorerst bei meinen Eltern wohnen und meine
Mutter ist schon ganz scharf drauf
unsere Hochzeit auszurichten. Und glaubst du sie würde es sich entgehen lassen
ihren ersten Enkel sofort nach der Geburt begrüßen zu können?“

„Dann sollte ich mir wohl keine Sorgen
mehr machen, oder?“ Johnny schüttelte seinen Kopf.
„Nein, du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen. Es wird alles gut.“ Theo
seufzte.
Mit der bevorstehenden Hochzeit würde ihm ein Herzenswunsch erfüllt werden,
doch ein noch größerer Wunsch würde sich wohl niemals erfüllen, wenn nicht ein
Wunder geschah.

Es geschah genauso, wie Johnny es
vorhergesagt hatte. Sie schafften die Prüfungen spielend und
zogen sofort zurück nach Strangetown, zu Johnnys Eltern. Jenny und Techie waren
glücklich ihren Sohn und
seinen Zukünftigen bei sich zu haben, was sich in allgemeiner Heiterkeit
ausdrückte.

Nur ein Mitglied dieses Haushaltes schien
sich nicht darüber zu freuen. Britta kam von ihrer Arbeit zurück und stellte
Theo sofort zur Rede.
„Soso, schleichst du dich also hier ein. Auf was bist du scharf, auf die Kohle,
auf das Haus oder ist es tatsächlich nur mein Bruder?
Schau dich mal an, was ist aus dem hübschen Jungen geworden, den ich aus der
Schule kannte? Eine Schwuchtel in rosa Hosen!“
„Ich bin auf gar nichts scharf!“ verteidigte Theo sich. „Ich liebe deinen
Bruder! Echte Liebe, nicht das was du und
mein Bruder darunter zu verstehen scheint! Zudem schau dich mal an! Was bist du,
eine Art Nachtclubtänzerin?“
Britta grinste hämisch. „Ich bin das, wovor du dich fürchten solltest, Häschen!“

Johnny hatte das Gezeter zu spät gemerkt
und versuchte nun zu retten, was zu retten war.
„Sag mal, was ist denn in dich gefahren, Schwesterchen? Warum beleidigst du
meinen Bräutigam?“
Britta starrte ihren wütenden Bruder an, dann drückte sie sich an Theo vorbei
und rannte nach oben.

Sie nahm eine heiße Dusche und setzte
sich dann auf den Balkon um nachzudenken. Nicht nur das ihr Bruder wieder da
war,
den sie endlich los zu sein glaubte, nein jetzt hatte sie auch noch einen
Schwager und bald ein Baby vor der Nase sitzen!
Britta sah ihre Felle davonschwimmen. Sie musste etwas unternehmen, dringend.

Johnny kümmert sich um Theo, dem die
Sache sehr unangenehm war. „Ich weiß nicht was sie hat“ versuchte er Theo zu
beruhigen.
„Aber sie kriegt sich bestimmt wieder ein. Du wirst sehen, morgen hat sie sich
wieder beruhigt und akzeptiert dich.“
Johnny konnte nicht sehen, was Theo durch die Fensterscheibe sehen konnte und er
musste daran denken,
wie er sich früher von Britta dazu verleiten ließ, Johnny zu ärgern. Theo
beschloss die Vergangenheit Johnny betreffend ruhen zu lassen,
denn die Zukunft mit ihm, die war es wert, das man sie nicht mit alten
Geschichten belastete.

Und so kam der große Tag. Theo hatte
schon Panik, dass sie es nicht rechtzeitig schaffen würden, umso glücklicher war
er,
als er mit Johnny unter dem Hochzeitsbogen stand. Dummerweise war der Anzug, den
er sich wegen seines Bauchumfanges leihen musste, rosa.
Nervös betrachtete er sich die Gäste, die alle der Reihe nach Platz nahmen, da
fiel sein Blick auf einen Gast, der ihm seltsam vertraut vorkam.

Doch er hatte keine Zeit mehr sich
weitere Gedanken zu machen, denn die Zeremonie begann. Aufgeregt und glücklich
zugleich lauschte er Johnnys Worten, wie er ihm vor allen Gästen hochoffiziell
seine Liebe und Treue erklärte,
das er immer zu ihm stehen würde, wie in der Vergangenheit, in der Gegenwart und
in der Zukunft, egal was das Schicksal für sie bereit halten würde.

Auch Theo schwor Johnny den Treueid,
seine ewige Liebe zu ihm und den Willen alles dafür zu tun, dass ihr Glück ewig
währen würde.
„Es war eine steile Klippe, die wir erklimmen mussten, um hierher zu gelangen“
flüsterte Johnny lächelnd.
„Wir zwei schaffen auch jeden Berg, wenn es sein muss.“

Während sich das glückliche Brautpaar
küsste, wurden sie von jemandem beobachtet, der feststellen musste,
das ihn der Anblick seines frisch verheirateten Sohnes glücklicher machte, als
er es jemals zugeben konnte.

Johnny trennte sich langsam von seinem
Gemahl. „Warum zitterst du so?“ „Mein Vater ist auch da, er sitzt dort hinten…“
„Dies ist unsere Hochzeit, mein Schatz. Er konnte sie nicht verhindern und er
wird uns auch in Zukunft nicht im Wege stehen.“
Theo nickte langsam, war aber keinesfalls beruhigt.

Theo schnitt mit Johnny die Torte an und
verschwand sofort aus den Augen seines Vaters. Frustriert wollte sich der
General ein Glas Sekt nehmen,
als Techie zu ihm ging. „Ich hätte nicht gedacht, dass du die Courage besitzt
hier aufzutauchen.“ Fritz seufzte tief. „Ich auch nicht…“
„Und was wirst du nun tun?“ wollte Techie von seinem Erzfeind wissen.
„Wenn ich
das wüsste, wäre mir wohler“ antwortete Fritz resigniert.
„Wesentlich wohler.“
„Wenn Theo mein Sohn wäre“ entgegnete Techie, „würde ich
alles tun, um ihn glücklich zu machen.
Ich würde endlich alte, sinnlose Feindschaften begraben und seinen Partner
akzeptieren.
Und ich würde alles unterbinden, was ihm,
und übrigens auch dir, schaden würde.“
Fritz konnte dem alten Alien nicht in die Augen sehen. Er stellte die Flasche
wieder hin und flüsterte:
„Du hast Recht. Wo ist Theo hingegangen?“
„Da du nun mal hier zu Gast bist, ist mein Haus auch dein Haus. Du wirst ihn
drinnen finden, denke ich.“

Seltsam berührt und ermuntert durch
Techies Worte, ging Fritz ins Haus und traf dort auf seinen Sohn.
„Theo, kann ich kurz mit dir reden?“ „Ich wüsste nicht was es zu reden gibt. Du
hattest mir vor einiger Zeit alles gesagt, oder?“
„Theo bitte“ flehte Fritz seinen Sohn an. „Gib mir eine Chance.“ „Du hattest
deine Chancen. Seit Mutter tot ist.“
Theo sah den Schmerz in den Augen seines Vaters. Warum war Theo auf einmal so
hart zu ihm?

Theo drehte sich um und wollte zu Johnny,
doch da stellte sich ihm jemand in den Weg. Es war nicht Ophelias Erscheinung,
es war ihre sanfte Stimme, die ihn zum Anhalten brachte. „Meinst du nicht, dass
er eine Chance verdient?
Warum willst du auch den Fehler machen, der euch soweit gebracht hat…“

Zögernd drehte sich Theo um. Er sah in
die grauen Augen seines Vaters, die ihn bittend ansahen. Verdiente er eine
Chance?
Vor ihm stand der Mann, der ihn seit dem Tod seiner Mutter schikaniert hatte,
ihm keine Ruhe gegönnt hatte.
Doch war dieser geradezu verletzlich wirkende Mann vor ihm derselbe, der ihn
angeblich nie mehr wieder sehen wollte?
War das wirklich sein Vater, der uneingeladen auf seiner Hochzeit erschien, auf
die Gefahr hin sich vor der halben Stadt lächerlich zu machen?

Theo machte einen Schritt auf Fritz zu
und drückte ihn an sich. „Doch, du verdienst eine Chance, wenn du mir auch eine
gibst.“
Glücklich erwiderte Fritz die Umarmung. „Jede“ antwortete Fritz gerührt. „Es tut
mir leid, dass ich so ein miserabler Vater war.
Ich werde es in Zukunft besser machen, ich verspreche es dir.“
Ophelia betrachtete die beiden Männer und ein leises, zufriedenes Lächeln
umspielte ihre Lippen.
Für diese Beiden würde es in Zukunft besser laufen, da war sie sich sicher.

Die Feierlichkeiten neigten sich ihrem
Ende zu und die Hochzeitslimousine kam, um die Brautleute in die Hochzeitsnacht
zu fahren.
Theo saß in den dicken Polstern des Wagens und lächelte stumm vor sich hin. „Wie
fühlst du dich?“ fragte Johnny.
„Wunderbar“ antwortete Theo leise. „Einfach nur, wunderbar.“

Zwei Nächte nach ihrer Hochzeit mussten
Johnny und Theo feststellen, dass ihr Timing geradezu perfekt war,
denn bei Theo fingen die Wehen an. Er krümmte sich vor Schmerzen und schrie das ganze
Haus zusammen.

Doch schnell, wie Alienschwangerschaften
nun mal sind, war auch die Geburt vorüber
und Theo hielt seine kleine Tochter in
den Händen.

Völlig verzückt zeigte Theo seinem
Ehemann ihr Baby. „Sie ist grün! Und sie hat deine Augen!“
„Aber deine
Haarfarbe“ stellte Johnny fest.
„Wie wollen wir sie nennen?“
„Jade“ entschied Theo begeistert. „Jade“
wiederholte Johnny andächtig.
"Ein wundervoller Name, für ein wundervolles, grünes Mädchen.“
