Feigling

 

 

 

„Nein Lenya, tut mir leid er ist momentan nicht zu sprechen… Er arbeitet heute länger… Ja ist gut, richte ich ihm aus.
Ja danke, Dir auch noch einen schönen Abend!“

Pascal hängte den Telefonhörer ein und stampfte wutentbrannt ins Wohnzimmer, wo er seinen Bruder vermutete.
Er hatte nun gründlich die Nase voll, jedes Mal musste er seine Verlobte am Telefon abwimmeln, nur weil der Kerl so ein Feigling war.
Doch damit sollte nun Schluss sein, sollte sich Friedbert doch einen anderen Dummen suchen!

 

 

 

 


 

„Verdammt Friedbert, wann gedenkst Du endlich Lenya die Wahrheit zu sagen? So kann das nicht weitergehen,
du wirst spätestens übermorgen wie ein Hefekuchen aufgehen, dann kannst du es nicht mehr verstecken!
Wie lange willst du noch mit einer Lüge leben? Kannst du dir eigentlich vorstellen wie sie sich fühlen muss? Wie ich mich dabei fühle?
Seit drei Wochen wimmele ich sie ständig am Telefon ab, du rufst nicht an, was soll das werden? Glaubst du etwa sie macht sich keine Gedanken?“

 


 

 

 

 

Friedbert ging ins Bad und starrte sich im Spiegel an. Pascal hatte Recht, er hätte es ihr längst erzählen sollen. Doch er traute sich nicht,
er fürchtete sich davor was sie sagen würde, dass sie ihn verlassen würde, weil er ein grünes Kind erwartete.
Was einmal sein Traum war, wurde nun sein Alptraum: einmal von Aliens entführt zu werden. Es war eine unglaubliche Erfahrung für ihn,
doch damit verwehrte er sich jetzt die unglaublichste Erfahrung, die er in seinem Leben machen wollte:
eine Familie zu gründen, mit einer Frau, die ihm seelenverwandt war.

 

 


 

Friedbert ging nach draußen, die kühle Abendluft tat ihm gut. Er versuchte einen klaren Kopf zu bekommen, doch das wollte ihm nicht gelingen.
Während er vor sich hingrübelte und in den Sand starrte, kam ein abendlicher Spaziergänger vorbei.
„Hallo Friedbert, ist das schön dich zu sehen! Wie geht’s dir denn?“ Völlig verdutzt sah Friedbert Circe ins Gesicht.
„Was machst du denn hier?“ „Ich wollte dich besuchen! Komm, lass dich erstmal drücken!“

 


 

 

 

 

„Weißt du“ sprach Circe weiter, „ich habe von Klausi gehört das du entführt wurdest. Da wollte ich doch einfach mal sehen wie es dir geht.“
„Schrecklich geht es mir“ antwortete Friedbert und fing wieder an zu schluchzen. „Wie bringe ich das nur meiner Verlobten bei.“
Circe legte Friedbert einen Arm um die Schultern und drückte ihn. „Ach du Armer, da hast du aber schlimme Probleme.“
Während Circe Friedbert die Ohren vollsäuselte, bekam er nicht mit, wie Lenya, die ihn besuchen wollte,
weil er sich nicht mehr meldete, die Szene mitbekam…

 

 

 

 


 

…und sie gründlich missverstand. „SO! Krank ja? Arbeiten, hä?!
Du bist seit drei Wochen nicht in der Lage auch nur am Telefon mit mir zu reden, aber mit anderen Weibern rummachen, das geht, was?!“
Friedbert war geschockt. „Lenya, ich…“ Während Lenya Friedbert anschrie, schlich sich Circe mit einem fiesen Grinsen davon.

 


 

 

 

 

„Es ist nicht so wie es aussieht! Sie ist nur eine alte Bekannte, eine Schulfreundin! Sie wollte nur nett sein…“
„Nett, ja? Wenn ich mich so eng an dich angeschmiegt habe, dann war das auch nur „nett“?“
„Nein, sie wollte mir nur helfen! Ich.. ich bin… ich wollte…“

 

 

 

 


 

„Spar dir deine Ausreden. Ich habe genug davon. Du wimmelst mich ständig ab und nun das. Ich habe genug gesehen. Mir reichts. Es ist vorbei.“
Lenya zog ihren Verlobungsring von der Hand, drehte sich auf dem Absatz herum und ging davon.

 

 

 

 


 

Völlig aufgelöst lief Friedbert ins Haus und schloss sich im Bad ein. Was er so krampfhaft zu verhindern versuchte, war nun trotzdem eingetreten.
Was sollte er nun tun? Versuchen mit ihr zu reden? Wenn er es schon vorher nicht geschafft hatte ihr nur die schlichte Wahrheit zu erzählen,
wie sollte er es jetzt fertig bringen sie wieder zu besänftigen und wieder zu gewinnen?

 

 

 

 


 

Plötzlich klopfte es an der Tür. „Friedbert, bist du da drin? Was machst du so lange, ich muss auch mal…“
Friedbert öffnete seinem Bruder die Tür und ließ ihn ein. „Mensch was ist denn mit dir los…“
„Ich hab’s vermasselt, es ist aus, es ist zu spät, ich hab alles kaputt gemacht…“
„Was hast du vermasselt? Für was ist es zu spät?“ „Lenya, ich… sie… sie hat Schluss gemacht…“

 


 

 

 

 

Pascal war entsetzt. „WAS? Wieso? Warum?“ „Circe kam vorbei und hat mich gefragt wie es mir geht und ich habe ihr erzählt was passiert ist…
Dann hat sie mich umarmt und Lenya hat es gesehen…“ Friedbert heulte wie ein Schlosshund und konnte nichts mehr sagen.
Doch das war auch nicht nötig, Pascal konnte sich den Rest denken. „Oh nein, das tut mir leid… Was willst du jetzt tun?“

 

 

 

 


 

„Wenn ich das wüsste“ schniefte Friedbert. „Ich habe alles falsch gemacht, weil ich Angst hatte etwas falsch zu machen…
Und nun weiß ich wieder nicht was ich tun soll, weil es wieder das Falsche sein könnte… Verdammt Pascal, ich bin so ein Idiot,
warum kriege ich bei Frauen nichts hin! „Weil du zuviel denkst“ erklärte ihm Pascal.
„Weil du immer meinst alles planen zu müssen. Höre endlich auf deinen Bauch und dein Herz!“

 


 

 

 

 

„Du hast wohl recht“ antwortete Friedbert leise und wischte sich die Tränen aus den Augen.
„Du hattest immer recht und ich Idiot habe nicht auf dich gehört. Dabei wäre das alles wohl nicht passiert, wenn ich es getan hätte.
Ich danke dir das du mir helfen wolltest.“ „Dafür sind große Brüder doch da“ erwiderte Pascal lächelnd.
„Und nun ruf sie an. Du bist nun an der Reihe.“

 


 

 

 

 

Leichter gesagt als getan, doch Friedbert kratzte seinen restlichen Mut zusammen und ging zum Telefon.
Das Herz saß ihm metertief in der Hose, doch es musste sein, wenn er noch irgendetwas retten wollte. Er wählte Lenyas Nummer,
doch wie erwartet, nahm niemand ab. Friedbert versuchte es noch mehrmals an dem Abend, ohne Erfolg. Tags darauf versuchte er es wieder,
nicht ohne Nachdruck von seinem Bruder, der ihn ständig an den Apparat scheuchte.

 

 

 

 

 

 

 

 


Lenya kam am nächsten Tag schlecht gelaunt aus dem Labor. Sie musste den ganzen Tag an Friedbert denken und was er ihr angetan hatte…
Und nun klingelte das Telefon und ausgerechnet er war dran! Lenya war nicht begeistert, und doch legte sie nicht einfach auf, sondern hörte seinem
aufgeregten Gestotter zu. Sie ärgerte sich über sich selbst, der Kerl betrog sie und sie war nicht mal in der Lage den Hörer aufzulegen?

 


 

 

 

 

„Was willst du noch?“ „Lenya, es tut mir so leid, ich habe mich idiotisch benommen, doch ich schwöre dir es ist nicht so wie du denkst!“
„So? Wie ist es dann?“ „Hör zu, bitte. Also ich wollte das Teleskop reparieren, da haben mich Aliens entführt und mich geschwängert und da…“
„Aliens!“ unterbrach Lenya ihn kopfschüttelnd. „Erst betrügst du mich und dann versuchst du mich auch noch auf den Arm zu nehmen?
Wie billig ist das denn!“ Lenya drückte das Gespräch weg und warf den Hörer wutentbrannt aufs Sofa. Jetzt reichte es endgültig.

 

 

 

 


 

Plötzlich würde Lenya speiübel. Sie wusste, dass sie schon zwei Wochen über der Zeit war, doch das war bei ihr keine Seltenheit
und sie maß dem keine Bedeutung bei. Doch seit ein paar Tagen war ihr regelmäßig übel und sie begriff, dass dies nur eines bedeuten konnte…

 


 

 

 

 

„Oh nein, nicht das auch noch… Jetzt ein Kind, wie soll ich denn alleine ein Kind aufziehen… Und dann auch noch von solch einem Mann…“
Lenya war verzweifelt. Warum wendete sich alles nur zum Schlechten, es lief doch so wunderbar, warum gönnte man ihr das Glück nicht?

 


 

 

 

 

Tieftraurig hängte Friedbert den Hörer in die Halterung. Er hatte es gewusst, sie fühlte sich auf den Arm genommen und wollte ihm nicht zuhören.
Pascal beobachtete seinen Bruder, wie er in sein Zimmer schlich und sich einschloss. Als er gegen Abend immer noch nicht herauskam,
beschloss Pascal etwas zu unternehmen. Er konnte es nicht zulassen, dass zwei Sims, die sich liebten, an ihrem Glück vorbeiliefen.

 


 

 

 

 

Lenya war erstaunt Pascal vor ihrer Haustüre vorzufinden, ließ ihn aber herein. „Lenya, ich muss mit dir reden.
Ich glaube da passiert gerade eine ganz dumme Sache mit euch und das kann ich einfach nicht mit ansehen.“
„Was gibt es da noch zu reden? Er hat mich betrogen, mich hintergangen! Und dann kommt er mit fadenscheinigen Erklärungen!“
“Er hat dich nicht betrogen“ erklärte Pascal besänftigend. „Circe ist eine alte Schulkameradin von früher und verheiratet.
Außerdem ist sie ein Miststück und ich kann mir sehr gut vorstellen, das sich mit Absicht so an ihn heran geworfen hat.
Wenn sie dich gesehen hat, mit Sicherheit. Sie macht solche Aktionen mit Absicht, nur um ihren kranken Geist zu befriedigen.“
„Mag ja sein“ räumte Lenya ein. „Aber warum hat er sich wochenlang nicht gemeldet? Warum hat er sich am Telefon ständig verleugnen lassen,
auch von dir?“ „Weil er Angst hatte dich zu verlieren wenn du hörst, das er… schwanger ist.“

 


 

 

 

 

Lenya riss die Augen auf. „Er ist WAS? Du willst mich verkohlen!“ „Nein“ sagte Pascal und schüttelte den Kopf.
„Will ich nicht. Ich war schwanger und habe einen Halb-Aliensohn. Lutz hat einen Halb-Aliensohn.
Nervus ist von Aliens schwanger und…“ „Ihr seid verrückt! Ihr seid alle verrückt!“ rief Lenya entsetzt.
„Du denkst doch nicht, dass ich das glaube!“ Pascal zog seine Geldbörse aus der Hosentasche und zeigte Lenya ein kleines Bild,
auf dem Nervus mit einem grünen Baby auf dem Arm zu sehen war. „Das ist Pluto. Er ist jetzt zwei Jahre alt. Komm uns besuchen,
und ich zeige ihn dir.“ Lenya starrte fasziniert auf das kleine Foto. „Warum hat er mir nie davon erzählt? Er sieht so niedlich aus…“
„Du kennst doch meinen Bruder. Einen größeren Feigling als ihn gibt es in der Galaxis nicht noch einmal.“ „Das ist wahr“ murmelte Lenya.
„Was wirst du nun tun? Gibst du ihm noch mal eine Chance?“ „Vielleicht“ antwortete Lenya leise. „Aber er muss sie sich verdienen.“

 


 

 

 

 

Tatsächlich schaffte es Pascal das Lenya Friedbert anrief und ihn bat zu ihr zu kommen.
Er sagte zu und hatte ein verdammt mulmiges Gefühl im Bauch – zu Recht. Lenya schimpfte wie ein Rohrspatz.
„Warum tust du das? Hast du kein Vertrauen in mich? Eine Beziehung lebt von Vertrauen, erst Recht eine Ehe!
Wie soll das funktionieren?“ Friedbert seufzte.

 

 

 

 


 

Er ließ sich auf ein Knie nieder und sah sie flehend an. „Aber ich liebe dich doch. Und ich vertraue dir.
Doch ich wusste nicht wie du reagieren würdest, wenn du erfährst das ich…
Ich hatte dir ja nie von Pluto erzählt, ich dachte ich würde dich sonst vergraulen und das hätte ich nicht verkraftet, glaube ich…
Lenya ich würde nie etwas mit Absicht tun, das dich verletzen würde. Ich würde dich niemals betrügen…“
Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen als Lenya antwortete.
„Außer mit Aliens.“ Friedbert lächelte unsicher zurück. „Außer mit Aliens.“

 

 

 

 


 

Friedbert stand wieder auf und Lenya hielt ihm die geschlossene Hand hin. "Was meinst Du, sollen wir das wieder anziehen?“
Sie öffnete die Hand und darin lag ihr Verlobungsring. Friedbert nahm ihn und streifte ihn ihr über.
Dann betrachtete er seinen eigenen, den er nicht abgelegt hatte. „Du willst wirklich?“ „Ja“ hauchte sie zurück.
„Ja ich will. Ich habe schließlich auch falsch reagiert und dir nicht zugehört. Das war mindestens genauso dumm.“

 


 

 

 

 

„Außerdem kann ich doch unsere Kinder nicht ohne Vater und Mutter aufwachsen lassen…“
Verdutzt sah Friedbert Lenya an… „Sagtest du UNSERE?“ Lenya nickte. „Ja. Ich bin auch schwanger.“
Mit einem Freudenschrei hob Friedbert Lenya hoch und jubelte.
„Jetzt hält uns nichts mehr auf! Am Wochenende wird geheiratet!“

 

 

 

Nächste Folge: Einen Schritt weiter