Lenya´s Strangetown

Fritz Geheimnis

 

 

  „Daddy, nein, nein!“ Johnny schreckte aus dem Schlaf, als Theo sich wieder einmal schweißgebadet im Bett hin und her warf.
“Schatz, ist gut, es ist nur ein Traum“ versuchte er seinen Ehemann zu beruhigen.
Theo sah ihn verwundert an. „Was ist los?“
“Du hattest wieder deinen Alptraum, weißt du das nicht?“
Theo schüttelte den Kopf. „Nein, ich kann mich an nichts erinnern.“ 

 

 

 

 

  Johnny nahm Theo in den Arm und drückte ihn liebevoll an sich. Während sein Gefährte schnell wieder einschlief,
lag Johnny wach und grübelte. Theo hatte diese Alpträume sehr oft, doch wenn man ihn darauf ansprach, wusste er nichts davon.
Johnny fragte sich, ob sich Theo wirklich nicht erinnerte, oder er sich nicht erinnern wollte. Träumte er etwas
aus seiner Vergangenheit, hing der Traum vielleicht mit seinem Vater zusammen? 

 

 

 

 

  Theo verstand sich seit ihrer Hochzeit wieder gut mit seinem Vater und war sehr glücklich über diese Entwicklung.
Johnny freute sich zwar für Theo, doch er war nach wie vor misstrauisch, besonders wenn er erlebte, wie Theo sich nachts quälte.
Immer wieder rief sein Gefährte den gleichen Satz, was hatte der alte Mistkerl seinem Sohn angetan? 

 

 

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  Fritz lief in seinem Wohnzimmer auf und ab. Er war nervös, gleich würden seine Kinder kommen,
er hatte sie hergebeten, weil er ihnen endlich die Wahrheit erzählen wollte. Er fürchtete sich davor,
er fürchtete sich vor ihren Reaktionen. Er fühlte sich schuldig, an dem was passierte,
daran das seine Söhne ohne Mutter aufwachsen mussten, an dem, was aus ihm selbst geworden war. 

 

 

 

 

  Ophelia versuchte ihn zu beruhigen. „Du schaffst das. Es wird hart, bestimmt, doch glaube mir,
wenn du das erst überwunden hast, geht es dir besser.“
Fritz umarmte Ophelia, sie war für ihn da, wenn er sie brauchte und das war fast immer der Fall.
Fritz liebte Ophelia und er würde gerne eine intensive Beziehung mit ihr anfangen, doch seit ihrem Kuss
war nichts mehr dergleichen geschehen, er hatte nicht den Mut sie zu fragen, ob sie genauso empfand,
er hatte Angst abgewiesen zu werden, weil er um so vieles älter war als sie. 

 

 

 

 

  Es klingelte an der Haustür und Fritz begrüßte Söhne und Schwiegersohn. Er bat alle sich ins Wohnzimmer zu setzen,
denn nun war es soweit, nun war der Augenblick da, vor dem er sich gefürchtet hatte. Als alle ihren Platz gefunden hatten,
räusperte sich Fritz noch einmal. Er knetete seine Hände, als General war er es gewohnt frei vor einem ganzen Stab zu reden,
doch noch nie ist ihm das Reden so schwer gefallen wie heute...
„Ich muss euch etwas sagen“ fing er an. „Ihr habt mich schon oft nach eurer Mutter gefragt…
Ich habe mich nie getraut es euch zu erzählen. Ich… bin an ihrem Tod schuld…“ 

 

 

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  Fritz und Lyla Grunz waren ein junges, glückliches Ehepaar, mit drei Söhnen im Alter von neun, sechs und zwei Jahren.
Fritz Grunz war erfolgreich in der Spionageabwehr tätig, während Lyla sich um die Kinder kümmerte.
Sie waren eine ganz normale, glückliche Familie. 

 

 

 

 

  Doch Lyla plagten Zweifel. Sie war sehr romantisch veranlagt und obwohl Fritz ein zärtlicher und
hingebungsvoller Liebhaber war, sehnte sie sich nach mehr Abwechslung in ihrem Liebesleben.
Nur Fritz zuliebe hatte sie ihre Bedürfnisse immer unterdrückt. Doch eines Tages konnte sie sie nicht mehr zurückhalten.
Sie verließ Fritz. Er stand da, fassungslos, mit gebrochenem Herzen… 

 

 

 

 

  Doch auch Lyla war unglücklich. Sie merkte bald was sie aufgegeben hatte, und auch wenn sie romantisch veranlagt war,
so fehlten ihr die Kinder. Und ein starker Mann, der ihr Halt gab...
Lyla kehrte zu ihrer Familie zurück und Fritz war mehr als gewillt seiner geliebten Frau zu verzeihen. 

 

 

 

 

  Sie wollten ihre Wiedervereinigung gebührend feiern und buchten einen gemeinsamen Urlaub in der Südsee.
Sie hatten ein kleines Häuschen für sich und die Kinder, direkt am Strand und verlebten wundervolle Tage.
Eines Abends ging Fritz noch mal zum Supermarkt um Getränke zu kaufen. 

 

 

 

 

  Er kehrte kurz darauf schwer beladen zurück. Was er sah raubte ihm den Atem...
Das Haus brannte lichterloh. Fritz ließ die Getränke fallen. Er rannte so schnell er konnte zum Haus und
rief nach seiner Familie. Er konnte die Schreie seiner Lieben hören, er hörte die Kinder, wie sie in Todesangst nach ihm riefen...

 

 

 

 

  Fritz rannte in die Flammen. Ihn kümmerte nicht ob sie ihm die Haut versengten, ihn kümmerte nicht,
dass fast seine Lunge verkochte. Er wollte nur seine Familie retten.
Fritz rannte in das Kinderzimmer und nahm Gerd auf den Arm. Theo stand total verängstigt neben ihm und weinte.
Fritz zerrte ihn am Arm mit sich und rannte mit den beiden Buben nach draußen. 

 

 

 

 

  Er setzte Theo und Gerd in den Sand. „Wo sind Mum und Richard?“
Theo heulte und schüttelte nur den Kopf, er stand unter Schock. Fritz schüttelte ihn.
„Wo sind Mum und Richard! Theo, wo???“
Als der Junge immer noch nicht antwortete, ließ Fritz ihn los und rannte Richtung Haus. „Pass auf Gerd auf!“
Plötzlich rief Theo seinem Vater hinterher. „Daddy, nein, nein…“ 

 

 

 

 

  Fritz kämpfte sich durch das Flammenmeer. Ein großes, brennendes Scheit fiel auf seinen Rücken,
verbrannte Hemd und Haut. Unter starken Schmerzen quälte er sich von Raum zu Raum, als er seine Frau schreien hörte… 

 

 

 

 

  „Fritz, HIER! HILFE!“ Er spähte durch ein winziges Loch in  der Holzwand, Lyla stand in dem flammenden Inferno,
den weinenden Richard neben sich...
Fritz trat verzweifelt auf die Tür ein. Sie hatte sich durch die Hitze verzogen und das Haus war stabil gebaut,
er hatte auch mit seinen harten Tritten aus der Nahkampfausbildung keinen Erfolg.
„Fritz, hol Richard hier raus! Rette ihn!“
„Ich lass dich hier nicht verrecken! Ich rette euch beide!“
Lyla schrie hysterisch. „Fritz, NIMM DAS KIND!“
Ihre Kleider fingen Feuer und für Lyla kam jede Hilfe zu spät. 

 

 

 

 

  Starr vor Entsetzen lauschte Fritz dem letzten Schrei seiner Frau. Doch da war immer noch Richard,
der immer weiter von den Flammen eingekreist wurde...
Entschlossen warf sich Fritz mit seinem ganzen Körper gegen die Tür und endlich gab sie nach.
Er nahm seinen Sohn und kämpfte sich den Weg nach draußen frei,
seinen verbrannten Rücken als Schutzschild gegen die Flammen nutzend...

 

 

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  Stille herrschte im Wohnzimmer der Familie Grunz, nur Fritz Schluchzen war zu hören und die Tränen
liefen wie Sturzbäche an seinen Wangen herunter. „Die Brandfahnder sagten, das Gasventil des Herdes war undicht,
hätte ich nach dem Kochen nur den Haupthahn zugedreht, wäre das alles nicht passiert…“
Niemand erwiderte etwas darauf, sie mussten erst einmal verdauen, was sie gehört hatten. Plötzlich sprang Richard auf.
„Das ist die größte Scheiße, die ich jemals gehört habe! Du hast wahrscheinlich am Ventil rumgespielt, um sie wieder loszuwerden, gib´s zu!“ 

 

 

 

 

  Ophelia stand auf. „Richard, wie kannst du nur...“
„Du nimmst ihn auch noch in Schutz, was? Du bist ja auch sein Flittchen!“
Wütend fuchtelte Richard mit dem Finger vor Fritz Grunz´ Nase herum. „Ich glaube dir kein Wort!
Du hast sie sterben lassen, weil sie dich verlassen hatte! Du wolltest sie verrecken lassen, so wie mich!“ 

 

 

 

 

  Theo sprang auf. „Richard, halt die Klappe! Er hat dir das Leben gerettet! Er hat uns alle gerettet!“
„Lass mich in Ruhe damit! Er ist ein Mörder, er hat uns die Mutter genommen, er hat mir alles genommen!“
Richard stieß Theo von sich und rannte aus dem Haus. 

 

 

 

 

  Fritz stand im Raum und weinte. Theo ging zu seinem Vater und legte den Arm um ihn. „Dad...“
„Er glaubt mir nicht... Ich konnte sie nicht retten…“
Theo schluckte. Die Bilder seiner verdrängten Erinnerung stiegen in ihm hoch, genau die Bilder,
die er immer in seinen Alpträumen sah und sie bisher nicht verstand, sie sagten ihm, dass sein Vater die Wahrheit erzählt hatte.
„Ich glaube dir Vater. Du hast keine Schuld, es war ein Unfall. Und sorge dich nicht wegen Richard. Er beruhigt sich wieder.“ 

 

 

 

 

  Gerd saß immer noch total verwirrt im Wohnzimmer. Er war damals noch zu klein um sich zu erinnern,
oder negative Auswirkungen zu spüren. Wortlos stand er auf und ging zu Bett.
Fritz wusste, sein Jüngster würde ihn ein anderes Mal danach fragen,
wenn sie alleine waren. Dann würde er alles noch einmal erzählen müssen.  

 

 

 

 

  Johnny saß auf der Couch und schämte sich, dass er schlecht vom General gedacht hatte. Jetzt war ihm alles klar,
die Tragödie dieser Familie verfolgte immer noch alle Mitglieder, selbst nach so langer Zeit.
Johnny ging zu Theo, der seinen Vater inzwischen etwas beruhigen konnte.
„Es ist spät, wir müssen nach Hause, Jade wartet.“
Theo nickte. „Ich komme gleich nach.“ 

 

 

 

 

  Theo umarmte seinen Vater zum Abschied. „Hör zu Dad, es war nicht Deine Schuld. Du musst endlich damit abschließen,
es hat dir das Leben vergiftet, deine Gesundheit, unsere Beziehungen untereinander. Lass es hinter dir, fang ein neues Leben an,
vielleicht in einem neuen Haus, das dich nicht auf Schritt und Tritt daran erinnert und vielleicht auch mit einer neuen Liebe,
wenn du dich endlich mal traust.“ 

 

 

 

 

  Fritz sah zweifelnd zum Haus. „Ich bin doch viel zu alt, sie verdient einen jüngeren und besseren Mann…
“Diese Entscheidung solltest du Ophelia überlassen, ob sie dich will, oder nicht. Und ich glaube, das sie nur darauf wartest,
das du endlich den entscheidenden Schritt tust.“
Theo ließ seinen Vater los und ging mit Johnny nach Hause. 

 

 

 

 

  Fritz lief langsam zum Haus zurück, wo Ophelia auf ihn wartete. Theos Worte klangen in seinen Ohren und er gab seinem Sohn Recht.
Es war Zeit für einen Neuanfang und welcher Zeitpunkt war geeigneter als dieser? Er ging zu Ophelia und nahm sie in die Arme.
Sie sahen sich einen Moment in die Augen, dann küssten sie sich leidenschaftlich.
„Ophelia“ flüsterte Fritz, „ich weiß, ich bin nur ein alter Narr, aber möchtest du bei mir bleiben? Für immer, als meine Frau?“
Ophelia lächelte. „Ja, du alter Narr. Nichts lieber als das.“ 

 

 

  Folge 33: Fritz Hochzeit