Ophelias Geburtstag
General Fritz
Grunz ging durch sein Haus, als er seine Söhne Richard und Gerd miteinander
tuscheln hörte.
Fritz hasste Heimlichtuerei, zumindest wenn er das Gefühl hatte, das sie gegen
ihn ging. Er blieb stehen und lauschte.
„...und stell dir mal vor, wenn das Kind grün wird, Dad wird Augen machen! Ein
grüner Enkel, in unsrer ach so angesehenen Familie, er springt im Dreieck!“
Richard kicherte. „Wann hat Theo vor es ihm zu sagen?“ „Keine Ahnung, er will
erst mal... Oh, hallo Dad…”
Erschrocken sah Gerd seinen Vater an, der nun aus seinem Versteck trat.

„Was will Theo
mir sagen? Wer bekommt ein grünes Kind?“ Betreten sahen sich die Brüder an.
„Theo ist schwanger“ antwortete Gerd kleinlaut. „Er hat es mir heute am Telefon
erzählt.“
„Schwanger? Als Mann? Ich habe von solchen Fällen nur gehört, wenn jemand
entführt wurde. Wurde er entführt?“
„Nein, er ist doch mit Jonny Schmitt zusammen und die beiden haben wohl nicht
aufgepasst...“

Richard trat
Gerd noch schnell auf den Fuß, damit er den Mund hielt, doch es war zu spät.
Gerd hatte sich verplappert und sein Vater wurde zornesrot im Gesicht. „WAS? Er
ist mit dem Sohn dieses Bastards zusammen?
Und dann lässt er sich auch noch so einen grünen Bastard anhängen? Wie kann er
es wagen!“

Der General
stob davon und setzte sich in sein Auto. Er raste davon, Richtung La Fiesta Tech
College.
Das konnte nicht sein, dachte er, das würde mir Theo niemals antun... Er
erreichte nach zwei Stunden Fahrt das College und suchte Theo.
Er fand ihn in seinem Zimmer, malend, wie immer.

Theo war
überrascht seinen Vater zu sehen. „Was machst du denn hier? Ich dachte du
wolltest nichts mehr mit mir zu tun haben?“
„Stimmt es das du schwanger bist? Von diesem grünen Kerl, Jonny?“ fuhr der
General ihn an. „Ja, es stimmt“ sagte Theo ruhig.
„Wir bekommen ein Kind, in sechs Monaten.“ Entgeistert starrte Fritz seinen Sohn
an.
„Wieso ausgerechnet der? Weißt du was du mir damit antust?“

Wütend warf
Theo seinen Pinsel weg. „Wieso dir? Was tu ich dir an? Du bekommst einen Enkel!
Kann dir doch egal sein wer der Vater ist! Zudem, ich liebe Jonny!“ „Liebt er
dich auch? Wird er zu dem Kind stehen? Oder lässt er dich im Stich?
Ich traue diesen Aliens alles zu!“ „Er hat mir einen Heiratsantrag gemacht!
Sobald wir mit dem College fertig sind, werden wir heiraten!“

Entsetzt sah
Fritz seinen Sohn an. „Das kann ich nicht akzeptieren. Ich dulde keinen Schmitt
in meiner Familie.“
„Vater, es ist besser du gehst“ antwortete Theo leise. Fritz zögerte einen
Moment, dann verließ er fluchtartig das Wohnheim.
Er setzte sich in sein Auto und fuhr zurück nach Merkwürdighausen. Warum wollte
Theo ihn nicht verstehen?
Wenn er Polli Tech 9s Sohn als Schwiegersohn akzeptierte, machte er sich
lächerlich...

Es wurde
langsam dunkel und Fritz erinnerte sich daran, das Ophelia heute Geburtstag
hatte.
Sie war zu einer hübschen, jungen Frau herangewachsen und bei ihrem Anblick
liefen ihm wohlige Schauer über den Rücken.
Sie war nun erwachsen und er könnte sich ihr nun nähern... Doch sie wollte
bestimmt keinen alten Kerl wie ihn, das war einfach absurd.
Fritz hielt bei den kleinen Geschäften in Merkwürdighausen an und suchte ein
Geschenk für Ophelia, doch er konnte sich nicht entscheiden.
Er war einfach zu lange aus der Übung und es würde wohl das Beste sein, sie zum
Essen einzuladen.
Er fand das dies eine gute Idee war und machte sich auf den Weg zu ihrem Haus.

Ophelia lief
in ihrem Haus auf und ab. Es war ihr Geburtstag, sie war nun erwachsen und sie
wartete.
Ophelias einziger Geburtstagsgast würde der General sein, Richard hatte sie erst
gar nicht eingeladen und Jonny hatte gerade angerufen
er könne nicht kommen, weil es Theo nicht so gut ging nach einem Streit. So
würde sie mit Fritz Grunz alleine sein und
Ophelia fragte sich was der Abend bringen würde.

Ophelia ging
zum Kleiderschrank. Sie hatte sich bisher nie Gedanken gemacht ob sie sich für
einen Mann hübsch machen sollte,
aber war das eigentlich wichtig? Ophelia schüttelte den Kopf. Entweder er mochte
sie so wie sie war, oder... eben nicht.
Doch sie hoffte das dies „eben nicht“ nicht der Fall war.

Fritz stieg
aus seinem Auto und ging zum Haus. Er war nervös, ein Gefühl das er schon so
lange nicht mehr hatte.
Er klingelte und kurz darauf öffnete Ophelia.
Ihr Anblick raubte ihm den Atem. „Hallo Ophelia... alles Gute zum Geburtstag...“
Ophelia lächelte ihn schüchtern an. „Schön das du da bist...“

„Ich habe
leider kein Geschenk für Dich“ sagte Fritz betreten. Ophelia lächelte
nachsichtig. „Du bist da, das ist Geschenk genug.“
Fritz wurde knallrot im Gesicht. So eine Antwort hätte er nicht erwartet. Er
räusperte sich und fragte leise: „Würdest du mit mir essen gehen?“
Ophelia trat dicht an ihn heran, so dass sie Fritz fast berührte. „Ich würde
sehr gerne mit dir essen gehen.“

Fritz fuhr mit
Ophelia in ein romantisches Gartenrestaurant. Sie wurden in eine lauschige Ecke
gesetzt und während sie auf ihr Essen warteten,
verfiel der General ins Grübeln. Er wusste nicht wohin mit seinen konfusen
Gefühlen, die Tatsache das er Großvater wurde war das eine,
doch das sein Enkel ein halber Schmitt sein würde eine andere. Dann saß er hier
mit einer jungen Frau, für die er mehr als freundschaftliche Gefühle hegte
und fühlte sich gleichzeitig als Verräter an seiner längst verstorbenen Frau.

Ophelia
betrachtete sich Fritz abwesendes Gesicht. „Dafür das du mich zum Essen
ausführst, bist du sehr schweigsam.“ Verwirrt sah Fritz zu ihr hin.
„Entschuldige, ich...“ Er überlegte ob er ihr von seinen Sorgen erzählen sollte.
„...ich weiß nicht mehr wo mir der Kopf steht.“ „Erzähl´s mir“ bat Ophelia.
„Vielleicht kann ich helfen.“ Fritz zögerte einen Moment, dann fing er leise zu
reden an. „Theo ist schwanger, von diesem Jonny Schmitt.
Ich weiß nicht wieso er mir das antut, er weiß das wir mit dieser Familie
verfeindet sind. Und früher wollte er auch nichts mit denen zu tun haben,
früher hat er unsere Familienehre verteidigt! Warum tut er das?“

„Weil er
liebt“ erklärte Ophelia sanft. „Ich kenne die beiden gut, wir sind befreundet.
Und Jonny kenne ich schon sehr, sehr lange.
Glaube mir, dein Sohn wird keinen besseren Mann und Vater für seine Kinder
finden.“ Fritz sah sie entsetzt an. Sie kannte die Beiden?
Sie wusste also vor ihm Bescheid? Fritz war erschüttert.

„Aber ich
meine... das geht doch nicht. Wenn er schon Männer liebt, hätte er sich nicht
einen anderen aussuchen können?“
Ophelia legte ihre Hand auf seine. „Da haben wir keinen Einfluss drauf. Die
Liebe kommt wie, wo und wann sie will und sie alleine
bestimmt wen sie zusammen führt...“ Fritz betrachtete ihre Hand, die auf seiner
lag. Er fühlte das sie Recht hatte, doch er wollte es nicht wahrhaben.
Es war so schwer über eine jahrelang aufgebaute Mauer zu springen, eine Mauer
aus Schmerz und Hass...

Ophelia sah
Fritz nun eindringlich ins Gesicht. „Lass sie sich lieben. Lass sie ihr Leben
leben. Lass Theo los und du wirst ihn wiedergewinnen.
Lass endlich deinen Schmerz los, und du wirst wieder leben.“ „Was... wie... von
was sprichst du...“ stotterte Fritz. „Du weißt von was ich rede.
Von dem, was damals passiert ist. Von dem, was dich so bitter macht.“
Fritz konnte nichts erwidern, denn das Essen wurde aufgetragen.
Er saß vor seinem Teller und bekam kaum einen Bissen hinunter. Sie wusste wie er
sich fühlte und sie sagte ihm ehrlich was der beste Weg wäre.
Doch es war schwer, so schwer...

Fritz beglich
die Rechnung und er brachte Ophelia nach Hause. Dort, auf dem kleinen Friedhof,
war ihr Grabstein.
Jedes Mal, wenn er hierher kam und den Stein sah, kamen wieder die Bilder hoch,
die Erinnerungen.
Fritz begann zu zittern und er rannte in die Küche und durchwühlte die Schränke
nach Alkohol. Er war mit den Nerven am Ende.

Er öffnete die
Flasche und wollte sie an seine Lippen setzen, da ertönte ihre Stimme, gewaltig
wie ein Donnerhall. „TU DAS NICHT!“
Erschrocken stellte Fritz die Flasche ab. Ophelia ging langsam auf ihn zu,
stellte sich dicht vor ihn.
„Warum tust du das?“ „Ich... ich kann nicht mehr, Ophelia, lass mich...“ Fritz
wollte die Flasche wieder in die Hand nehmen, da hielt Ophelia ihn fest.
Sie zog ihn zu sich heran, nahm ihn in ihre Arme und streichelte seinen Rücken.
„Du brauchst das nicht. Du bist ohne viel stärker, glaube mir.“

Fritz konnte
es kaum glauben, doch plötzlich hatte er kein Verlangen mehr nach dem Schnaps.
Ophelias Umarmung beruhigte ihn,
ihr warmer Atem klang in seinem Ohr und sie flüsterte ihm sanfte, beruhigende
Worte zu. Fritz vergrub seinen Kopf an ihrem Hals,
spürte ihre warme Haut an seinen Lippen. Er fing an sie vorsichtig zu liebkosen,
streichelte ihre Halsbeuge.
Es fühlte sich so gut, so richtig an, er hielt sie in seinen Armen und... er
küsste sie.

Der
verzweifelte Wunsch nach Liebe und Glück lag in seinem Kuss und Ophelia war nur
zu gerne bereit ihm das alles zu geben.
Ophelia spürte seine Gier, die einem Ertrinkendem glich und sie spürte seinen
Schmerz, der die empfindsame Seele verdeckte...
Ophelia schob ihn vorsichtig von sich. „Erzähle es ihnen. Dann wirst du wieder
du selbst sein.“ Fritz nickte stumm. Er wusste sie hatte Recht.