Ein Todesfall und ein General

 

 

 

 

Olivia Speck rief ihre Nichte Ophelia zu sich. „Mein liebes Kind, ich muss mit dir reden. Du weißt, ich bin alt und meine Tage sind gezählt.
Es ist an der Zeit das du dein Erbe antrittst.“ Ophelia lauschte aufmerksam ihrer Tante. „Mein Erbe? Du meinst das hier gehört dann alles mir?“
Olivia lächelte ihre Nichte gütig an. „Ja, das auch mein Schatz. Aber ich spreche nicht von materiellen Dingen.
Ich spreche vom Erbe deiner Familie. Vom geistigen Erbe.“

 

 


 

 

 

 

Ophelia bekam große Augen. Sie merkte schon länger dass sie Begabungen besaß, die andere nicht zu haben schienen.
Sie hatte eine beruhigende Wirkung auf andere Sims, sie war außerordentlich mitfühlend und in der Lage bestimmte Dinge zu „sehen“.
Und sie konnte wie ihre Tante die Geister sehen.

 

 


 

 

 

 

„Mein geistiges Erbe? Heißt das alle in unserer Familie sind so?“ Oder waren es zumindest“ seufzte Olivia.
„Deine Mutter, deine Großmutter, auch ich haben die „Gabe“. Wir stammen von Zigeunern ab.
Alle weiblichen Nachkommen haben das „Blut des Wissens“.
„Und was soll ich mit dieser Gabe anfangen?“ fragte Ophelia zweifelnd.

 

 


 

 

 

 

Olivia lächelte wissend. „Das mein liebes Kind wirst du noch herausfinden.“ Sie sah in das enttäuschte Gesicht des Mädchens.
„Du wirst nicht mehr lange warten müssen. Es gibt jemanden der dich braucht, eine geschundene Seele die geheilt werden muss…“
Ophelia war verwirrt. Jemand brauchte sie… Richard fiel ihr ein. Ja er brauchte sie, er brauchte ihre Gegenwart und ihren Trost.
Er hatte sonst niemanden, der ihn von seiner Familie ablenkte. ‚Wenn Richard meine Bestimmung sein soll’ dachte Ophelia bei sich,
‚will ich mein Erbe nur zu gerne antreten…’

 

 


 

 

 

 

Tante Olivias Stimme riss sie aus ihren Träumen. „Komm mein Kind, ich möchte dir etwas zeigen.“
Neugierig folgte Ophelia ihrer Tante. Sie gingen nach draußen, zum kleinen Privatfriedhof im Garten.
Ihre Tante hatte Ophelia nie verraten wer hier lag, es waren keine Inschriften auf den Steinen.
Und wenn sie ehrlich war, wollte sie es auch gar nicht wissen.

 

 

 

 


 

 

Olivia setzte sich auf ihren Stammplatz, einen großen Sessel am Ende des Gräberfeldes.
„Diesen Platz wirst du einnehmen, wenn ich nicht mehr hier bin. Du wirst die Hüterin dieser armen Seelen werden und ihnen lauschen.“
„Ich werde mit ihnen reden können?“ rief Ophelia erschrocken aus. „Ja. Du wirst die Vermittlerin zwischen den Welten werden.“
„Und wenn ich das nicht will?“ erwiderte Ophelia. „Du bist noch jung und ängstigst dich.
Warte bis du dich zum Erwachsenen transformiert hast, dann leitet dein Blut dich.“

 

 

 


 

 

 

Ophelia schluckte, nahm aber das was ihre Tante erzählte wortlos hin.
Sie spürte weitere Fragen zu stellen würde sie nur noch mehr verwirren.
Olivia stand auf. „ Es ist soweit. Ich muss gehen.
 Sie umarmte ihre Nichte ein letztes Mal. „Was heißt du musst gehen?“

 


 

 

 

 

In diesem Augenblick spürte sie einen eisigen Hauch in der heißen Wüstenluft.
Ophelia erschrak, aus dem Nichts tauchte eine dunkle Gestalt auf. Ihre Tante lächelte. „Grim, mein alter Freund.“
Ophelia hörte ein dumpfes Grollen. Das Wesen schien mit ihrer Tante zu sprechen.
Ophelia brach in Tränen aus. Der Tod war gekommen um ihre Tante mitzunehmen.

 

 


 

 

 

 

Ophelia konnte noch einen letzten Blick auf ihre schwindende Tante erhaschen, dann war es vorbei.
Das unheimliche Wesen schien sie kurz zu mustern und ihr dann zuzunicken, dann verschwand es auch…

 

 

 

 


 

 

Ophelia setzte sich auf den Stammplatz ihrer Tante, der nun ihrer werden sollte.
Sie fühlte sich einsam… und allein. Plötzlich fiel ihr ein, was ihre Tante vor ein paar Tagen gesagt hatte:
nämlich General Grunz anzurufen, falls Ophelia noch nicht volljährig sein sollte.
Ophelia nahm ihr Handy und wählte die Nummer.

 

 


 

 

 

 

Ängstlich wartete sie ab bis sich jemand meldete. Sie erkannte sofort die markante Stimme des Generals.
„Ich… ich bin es, Ophelia. Meine Tante… sie ist fort.“ Es herrschte kurz Stille am anderen Ende.
„Ich komme vorbei“ hörte Ophelia den General sagen, dann brach die Verbindung ab.

 

 

 

 


 

 

Etwas später stand tatsächlich General Grunz vor ihr.
Er betrachtete stumm Ophelias Gesicht und musste feststellen dass die junge Frau auch in ihrer Trauer wunderschön war…

 

 

 

 


 

 

„Was soll ich nun tun?“ schniefte Ophelia. „Ich bin alleine…“
„Ich habe Deiner Tante versprochen auf dich aufzupassen“ sagte der General. Ophelia sah ihn dankbar an.
Vorsichtig nahm der General die junge Frau in den Arm und küsste sie auf die Stirn.
„Keine Angst. Ich bin für dich da…“

 

 

Nächste Folge: Enemy mine