Enemy Mine
Die nächste
Zeit lief nicht besonders gut für Theo, ständig lief er Jonny über den Weg.
Es war ihm schon zuviel ihn nur sehen zu müssen, seinen über alle Maßen
verhassten Erzfeind.
Theo hatte bei der Unileitung um die Zuweisung eines anderen Wohnheimes gebeten,
doch es gab woanders kein freies Zimmer.
Und ein Haus konnte er sich nicht leisten.

Ständig stritt Theo mit den anderen Studenten – jede Kleinigkeit regte ihn auf. Bald mieden ihn seine Komolitonen.

Niemand wollte
etwas mit einem aggressiven, übellaunigen und mit Tarnfarbe geschminkten Typen
zu tun haben.
Theo stand abseits und die anderen machten keinen Hehl daraus was sie von ihm
hielten.

Das Studium
fiel ihm auch nicht leicht – er hatte sich für ein Fach entschieden das ihn
weder interessierte noch wirklich lag: Politikwissenschaften.
Noch immer versuchte er dem Willen seines Vaters zu gehorchen – und der hatte
immer den zukünftigen General in ihm gesehen.
So quälte er sich tapfer durch das erste Jahr. Er schaffte zwar die Prüfungen,
doch waren die Noten nicht besonders.

Jeder andere
Student hier war beliebter und erfolgreicher als er und das vermieste ihm das
Studentenleben gründlich.
„Was muss ich tun“ fragte er sich selbst. „Warum kann ich nicht wie die anderen
sein? Warum mag mich niemand?“

Theo kannte
niemanden hier außer Jonny, die anderen hatte er von Anfang an vergrault.
Und weil er nicht wusste an wen er sich wenden sollte, versuchte er ein Gespräch
mit ihm anzufangen.
„Sag mal, was muss ich nur tun damit mich die Anderen akzeptieren?“ Jonny fiel
aus allen Wolken.
„Willst du mich verarschen?“ „Nein, warum?“ fragte Theo leicht erschrocken. „Na
sieh dich doch mal an!“ gab Jonny zurück.
„Du rennst rum als wärst du in einer Kaserne, maulst ständig die Leute an und
führst dich auf wie King Kong!
Und da wunderst du dich das dich keiner mag?“

Theo ließ die
Schultern hängen. Das war nicht die Antwort die er gerne gehört hätte.
Noch vor kurzem hätte er versucht Jonny für diese ehrliche Antwort den Kopf
abzureißen.
Doch er fühlte sich einfach nur leer – kein Zorn, keine Aggressionen kamen in
ihm hoch.
Theo drehte sich auf dem Absatz rum und schlich davon.

Zutiefst deprimiert ging Theo ins Bad. Er betrachtete sich im Spiegel und fragte sich selbst: „Wer bin ich überhaupt? Was soll ich nur tun?“

Entschlossen drehte Theo den Wasserhahn auf. Er hatte beschlossen sein Leben gründlich zu ändern. Jetzt auf der Stelle.

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Theo befand
sich nun im vierten Semester seines Studiums. Er hatte das Fach gewechselt –
ohne seinen Vater darüber zu informieren.
Er wollte sich endlich von ihm abnabeln, und mit den grunzschen Traditionen
brechen.
Theo hatte erkannt das er sein Leben leben musste, nicht das seines Vaters.

Theo hatte
sich verändert. Die Tarnfarbe war verschwunden, das Haar wurde länger.
Ein kleiner Bart zierte das Gesicht, welches nun einen weichen, aber wehmütigen
Blick angenommen hatte.

Theo hatte
seine Liebe zur Malerei entdeckt und die Wirkung die diese ruhige Tätigkeit auf
ihn hatte.
Theo wurde ruhiger, weicher. Er las viel und ließ seine Mitbewohner in Ruhe. Und
er schaffte es damit sein Studium zu finanzieren.
Es reichte gerade für das Notwendigste und er musste seine Klamotten im
Second-Hand Laden kaufen, und doch fühlte er in dieser Zeit endlich was
Zufriedenheit war.

Und noch etwas
ging in ihm vor. Er machte sich Gedanken um die Zukunft.
Theo merkte das ihm das Berühmtsein nichts mehr bedeutete, nein er hatte andere
Ziele...

Und er merkte
noch etwas. Er war nicht an Mädchen interessiert. Diese Erkenntnis war schwierig
für ihn,
denn wie immer fragte er sich was sein Vater davon halten würde...

Doch nicht nur
Theo machte sich Gedanken. Auch Jonny war aufgefallen, das sich sein Erzfeind
verändert hatte.
Seufzend sah er ihm nach. Sollte er ihm eine Chance geben? ‚Irgendwie tut er mir
ja leid’ sagte Jonny zu sich selbst.
‚Wer weiß wie ich geworden wäre, mit solch einem Arsch von Vater...’ Jonny ging
Theo kurzentschlossen nach.
„Hi“ sagte er leise. „Hi“ erwiderte Theo knapp. „Darf ich mich zu dir setzen?“

Theo war
erstaunt, nickte aber. „Klar, warum nicht...“ Jonny setzte sich zu ihm auf die
Bank. Er suchte nach einem Gesprächsthema.
„Und... was hast du so vor, nach der Uni?“ Theo zuckte mit den Schultern.
„Ich weiß nicht. Ich würde am liebsten abhauen. Die Welt bereisen, weißt du...“

„Aber das wird
wohl nichts. Ich hab die Kohle dafür nicht.“ „Wieso nicht?“ fragte Jonny.
„Unterstützt dich dein Vater denn nicht?“ „Pah, der! Kein Stück! Ich hab keinen
tollen Daddy, so wie du und eine Mum,
die sich immer um mich gekümmert hat! Nein, Alter, ich hatte es nicht so gut wie
du!“ Verbittert sah Theo an Jonny vorbei.
Jonny konnte sich nun ausmalen warum Theo ihn nie leiden konnte.
Er hatte etwas das Theo nie kennen gelernt hatte und darauf neidisch war: eine
intakte Familie.

Jonny fühlte
zum ersten Mal so etwas wie Mitleid mit Theo. Er hatte den traurigen Unterton
bemerkt, der in Theos Stimme mitschwang.
Minutenlang schwiegen sich die jungen Männer an. Jonny hatte das Bedürfnis etwas
Nettes zu sagen.
„Also, du malst doch schöne Bilder. Mit denen kannst du bestimmt bald ein
Vermögen machen.“ „Meinst du?“ erwiderte Theo zweifelnd.
„Ich hab nicht den Eindruck das sie so toll wären... „Versuchs nur. Ich bin
überzeugt du kannst sie gut verkaufen.“

Theo und Jonny
unterhielten sich seitdem oft miteinander.
Doch während Jonny über belanglose Themen redete, gingen Theo viel größere Dinge
durch den Kopf.

Jonny freute
sich insgeheim über Theos Wandlung. Er freute sich so sehr, das er anfing sich
Gedanken um ihn zu machen.
Oft merkte Jonny das Theo verheult aus dem Bad kam und fragte sich wieso. Als
Theo eines Tages wieder lange im Bad verschwunden war, ging er ihm nach.
„Hey Alter, andere wollen auch noch aufs Klo.“ Theo drehte sich schnell zum
Waschbecken.
Doch er konnte den deutlichen Schniefer nicht mehr unterdrücken.

„Mensch, was
ist mit dir los? Warum weinst du?“ fragte Jonny.
„Lass mich alleine. Das interessiert doch eh niemanden.“
„Doch, mich“ sagte Jonny und stellte fest das es die Wahrheit war. „Mich
interessiert es.“

„Wirklich?“
meinte Theo. „Ich dachte ich wäre dir egal. Wir sind doch Feinde...“ Jonny
atmete durch.
„Weißt du, ich habe die wundersame Wandlung einer zerrütteten Seele zu einem
durchaus netten Sim gesehen und ich meine das dieser eine Chance verdient...“

Nach diesen
Worten weinte Theo nur noch mehr. „Ich kann es nicht fassen, mein ärgster Feind
gibt mir eine Chance und meine eigener Vater verachtet mich,
nur weil ich versuche mein Leben zu leben... wobei es nicht mal etwas gibt wofür
es sich zu leben lohnt!“

„Schhhhh....“
machte Jonny. „Das hab ich jetzt aber nicht gehört.
Es gibt immer irgendetwas wofür es sich zu leben lohnt, oder jemanden....“

Theo hörte
ganz plötzlich auf zu Weinen. Jonnys Worte klangen in seinen Ohren.
Er sah ihn an, seinen größten Feind, der einzigste Sim auf diesem verrückten
Planeten der ihm zur Seite stand...

...und
plötzlich tat Theo es einfach. Er fühlte seine Lippen auf Jonnys.
Jonny versteifte sich einen Moment, doch dann spürte Theo wie Jonny seinen Kuss
erwiderte.

Vorsichtig
löste sich Theo von Jonny. Er fühlte wie ein magisches Band zwischen ihnen
entstanden war.
„Das... das... was war das...?“ stammelte Jonny.

„Ein Kuss...
denke ich...“ gab Theo unsicher zurück. „Ja schon, aber wieso...?“ Jonny rang um
Fassung.
Er hatte nichts gegen den Kuss, im Gegenteil. Doch er hätte nie geglaubt das
Theo ebenso etwas fühlen würde...

„Ich weiß
nicht“ sagte Theo leise. „Warum küsst man jemanden?“ „Weil man ihn mag“ lächelte
Jonny.
Er nahm Theo in den Arm. „Enemy mine. Geliebter Feind. Du musst noch üben. Ich
glaube du brauchst ein wenig Unterricht.“

„Noch sehr viel Unterricht....“ wiederholte Jonny zärtlich.
