Herzschmerz
Theo wachte am
nächsten Morgen auf und fühlte sich konfuser als am Abend zuvor.
Er hatte kaum geschlafen – die Minuten mit Jonny gingen ihm durch den Kopf.
Noch nie hatte er sich so gefühlt, so glücklich und gleichzeitig so deprimiert;
er wollte die Welt umarmen und gleichzeitig im tiefsten Erdloch versinken.

Noch immer
fühlte er Jonnys starke Arme um seinen Körper geschlungen, Jonnys Lippen weich
und fordernd auf den seinen.
Der Gedanke daran ließ ihn erschaudern. Sie hatten sich endlos geküsst, als
würden sie nie wieder die Gelegenheit dazu haben.

Der Gedanke
daran machte Theo Angst. Er fühlte sich wie ein Kind, dem man das größte
Geschenk auf Erden gemacht hatte
und das die berechtigte Angst haben musste das man es ihm wieder wegnahm.

Doch was Theo
am meisten fühlte war Unsicherheit. Zwar hatte er Jonny zuerst geküsst, doch wie
sollte er sich ihm heute gegenüber verhalten?
Was war das nun, was zwischen ihnen war? Er hatte ein flaues Gefühl im Magen.
Waren das die Schmetterlinge wie alle sagten, oder hatte er einfach nur Hunger?
Theo beschloss frühstücken zu gehen.

Jonny
duschte ausgiebig. Das laue Wasser rann an seinem Körper herab und Jonny genoss
das erfrischende Gefühl.
Er hoffte das die Wassertropfen sein Gefühlschaos mit in den Abfluss nehmen
würden.

Jonny musste
immerzu an Theo denken. Wie weich und anschmiegsam er sich in seinen Armen
angefühlt hatte.
Ganz anders als früher, als er ihm nur nahe kam um sich zu prügeln. Jonny sehnte
sich danach Theo wieder in den Armen zu halten.
Er wollte ihn liebkosen und beschützen...

Jonny kehrte
aus seinem Tagtraum zurück. Nein, sagte er zu sich selbst, es darf nicht sein.
Theo zuliebe durfte es einfach nicht sein. Sein Vater würde aus beiden
Hackfleisch machen, wenn er erfuhr was sich abspielte.
Jonnys Vater Polli Tech 9 wäre es vermutlich egal, obwohl Theos Vater sein
Erzfeind war.
Doch die Folgen für Theo wollte sich Jonny nicht ausmalen und schon gar nicht
wollte er dafür verantwortlich sein.

Jonny holte
sich in der Mensa sein Frühstück und schaufelte nachdenklich das Essen in sich
hinein.
Theo hatte ihn flüchtig geküsst und Jonny hatte sich hinreißen lassen mit Theo
ausgiebig herumzuknutschen.
Es war schön... sehr schön sogar, dachte Jonny. Doch was nun? War das Liebe? Was
empfand er wirklich für ihn?

Eine sanfte
Stimme riss ihn aus seinen Träumen. "Hi" flüsterte ihm Theo zu und setzte sich
ebenfalls an den Tisch.
"Hi" antwortete Jonny leise. Minutenlang schwiegen sie sich an. Jonny räusperte
sich.
"Gut geschlafen?" "Geht so" meinte Theo und bekam einen roten Kopf.

Nach einer
weiteren Pause fing Theo unsicher an zu reden. "Hör mal, wegen gestern..." Jonny
unterbrach ihn.
"Sag nichts, es tut mir leid dass ich dich so bedrängt habe." "Du hast mich
nicht bedrängt" erwiderte Theo erstaunt.
Er senkte den Kopf. "Es war schön..."

Jonny traute
sich nicht Theo in die Augen zu sehen. Er kam sich wie ein mieser, kleiner
Verräter vor und das war er wohl auch.
"Du hast schon genug Probleme. Ich will dir nicht noch eines aufbürden indem ich
mich dir aufdränge."
"Du dich aufdrängen? Wie meinst Du das jetzt?" fragte Theo beinahe ängstlich.
Jonny sah Theo in die Augen.
"Was denkst du sagen unsere Väter dazu wenn wir zusammen wären? Was meinst du
was dann los wäre?
Noch mehr Ärger? Noch mehr finanzielle Nachteile?"

Theo
schluckte. Er kämpfte mit den Tränen. Irgendwo gab er Jonny Recht, doch am
meisten realisierte er jetzt wie sehr er sich nach ihm sehnte.
Theo dachte er müsse sterben. Ab jetzt würde er Jonny nicht als Feind, sondern
als den Sim seiner Begierde sehen.
Er würde Jonny jeden Tag begegnen müssen und vor Sehnsucht eingehen.

„Was willst du
damit sagen?“ flüsterte Theo dennoch. „Hat dir das gestern gar nichts bedeutet?
Warum hast du dann mit mir rumgeknutscht?“
Jonny drehte den Kopf weg. Er wollte nicht das Theo ihm in die Augen sah. Er
wollte nicht das er sah was wirklich in ihm vorging.
„Es war nur ein Kuss...“ sagte Jonny und klang nicht überzeugend.
„Nur ein Kuss... wiederholte Theo tonlos.

Jonny stand
entschlossen auf. „Ja. Nur ein Kuss.“
Schnell ging er aus der Mensa und ließ einen am Boden zerstörten Theo zurück.
