Simbiologie #2
Friedbert
wanderte in seinem Zimmer auf und ab und knetete seine Finger bis sie
schmerzten.
Er war um acht mit Lenya in der Downtown zum Essen verabredet. Eigentlich sollte
er sich darüber freuen,
er hatte sie schon seit einer Woche nicht mehr gesehen und konnte es kaum
erwarten sie wieder in den Armen zu halten.
Doch jetzt, wo es soweit war, hatte er Angst.

Er hatte sogar
wahnsinnige Angst. Daran war er selbst schuld, die Verabredung war seine Idee
und er hatte heute etwas Besonderes vor, und genau davor fürchtete er sich.
“Verdammt, warum bin ich nur so schüchtern“ verfluchte er sich selbst.
„Andere Männer gehen einfach hin und tun es, aber ich...“

Friedbert
überlegte ob er seinen Bruder Pascal fragen sollte. Aber er verwarf den Gedanken
wieder,
Pascal war schwul und einen Kerl zu fragen war etwas anderes als eine Frau...
Und Lutz konnte er da ganz vergessen. Der hatte an Mädels nur ein temporäres
Interesse,
nämlich für eine Nacht, nicht mehr. Dann wurden sie lästig.

Ich werde wohl
über meinen Schatten springen müssen, dachte Friedbert.
Wenn ich nicht schon vorher vor Aufregung gestorben bin...

Es war soweit.
Friedbert schnappte sich die Autoschlüssel und setzte sich in den Van.
Er steuerte den Wagen ins Tal um Lenya abzuholen. Ohne große Worte begrüßte sie
ihn.
Lenyas stürmische Art ließ ihm noch mehr das Herz in die Hose rutschen.
Er liebte sie so wie sie war, aber konnte er da mithalten?
Was wenn er sie enttäuschte?

Friedbert
führte Lenya in ihr Lieblingstanzlokal, in dem es auch hervorragendes Essen gab.
Sie wurden in eine lauschige Ecke gesetzt und konnten dort in Ruhe ihr Essen
genießen.
Lenya betrachtete sich den heute besonders schweigsamen Friedbert. „Liebling,
ist etwas? Du bist so still...“
Friedbert lächelte Lenya entschuldigend an. „Nein, es ist alles ok. Es geht mir
nur soviel im Kopf herum, die letzte Zeit...“

Lenya rutschte
zu ihm herüber und legte den Arm um seine Schultern. „Magst du es mir erzählen?“
Friedbert schüttelte den Kopf. „Ich bin doch nicht mit dir hier hergekommen um
Probleme zu wälzen...“

„Zu was bist
du denn dann mit mir hergekommen?“ fragte Lenya mit einem verschmitzten Grinsen.
Friedbert war perplex.
„Na, essen... ja und tanzen... und was macht man denn wenn man ausgeht...“

Lenya war
belustigt, aber auch enttäuscht. Sie war sich nicht sicher, aber irgendwie hatte
sie doch mit einer anderen Antwort gerechnet.
Friedbert spürte es genau und ärgerte sich wieder einmal über sich selbst.

„Lass uns nach
unten gehen“ schlug er vor. Sie spielen heute schöne, langsame Musik...“
Lenya nickte nur und ging vor. Seufzend sah Friedbert ihr nach und beglich dann
die Rechnung.
Er folgte Lenya zur Tanzfläche. Sie stand schon dort und die Lichter tauchte sie
in ein fast unwirkliches Licht,
so dass sie Friedbert wie von einem anderen Stern vorkam...

Ich muss es
endlich hinter mich bringen, sagte Friedbert zu sich selbst. Heute tu ich’s.
Er ging zu Lenya auf die Tanzfläche und nahm sie in den Arm. Er spürte jede
Kurve ihres Körpers dicht an seinem
und fühlte wie etwas mit ihm geschah, dass er immer verdrängt hatte und nun
immer mehr seinen Tribut forderte...

Er bekam einen
roten Kopf. Friedbert drückte ihren Kopf schnell an seine Schulter, damit sie
nichts davon merken würde.
Doch dadurch sah er nicht ihr verschmitztes Lächeln... Sie wusste genau was ihn
ihm vorging.

Lenya ließ
ihre Hände an seinem Körper herunter gleiten und legte sie auf sein Hinterteil.
Sie drückte ihn noch fester an sich und wiegte ihren Unterleib an seinen
gepresst zum Takt der Musik.
Friedbert wurde es heiß und kalt. So hatte er noch nie mit jemandem getanzt.

„Ich... ich
brauche frische Luft“ stammelte er. Lass uns in den Park gehen...“
Er nahm Lenya an der Hand und sie gingen hinaus. Friedbert war froh, als ihm die
kühle Abendluft um die Nase wehte
und seinem Kopf etwas Klarheit verschaffte. Er hatte hier die aufregendste Frau
an der Hand, die ihn,
den alten Griesgram und Querkopf liebte und ihm Dinge zeigte, die ihn um den
Verstand brachten...

Sie kamen zum See und plötzlich blieb Friedbert stehen. Lenya drehte sich verwundert zu ihm um. „Was ist denn?“

Friedbert
nestelte an seiner Jackentasche herum, dann ließ er sich auf ein Knie nieder.
„Du hast mich gefragt was mir im Kopf herumgeht... ich überlege schon seit Tagen
wie ich es dir sagen soll.
Lenya... seit ich dich kenne ist nichts mehr für mich wie es war. Ich weiß nicht
mehr wer ich bin und was mit mir los ist,
ich weiß nur dass du das Wundervollste bist, das mir jemals begegnet ist. Seit
ich dich kenne bin ich so glücklich wie noch nie zuvor...
Lenya... willst du mich heiraten?“

Friedbert
hielt ihr einen wundervollen Diamantring hin. Lenya quietschte vor Entzücken.
„Ich... ja, ja ich will! Natürlich will ich!“ Friedberts Herz tat einen
Riesensprung vor Freude.
Er hatte es endlich geschafft! Endlich hatte er sie gefragt... und sie wollte
ihn!

Überglücklich
fielen sie sich in die Arme. „Ich dachte schon du würdest mich nie fragen“
flüsterte Lenya Friedbert ins Ohr.
„Ich dachte schon du wolltest mich nicht...“
„Ich dich nicht wollen... Ich bin doch ein großer, dummer Feigling, das weißt du
doch...“

Lenya küsste
Friedbert und er spürte wieder wie sein Körper auf ihren reagierte. Er hatte sie
gefragt und sie war nun fast seine Frau.
Doch da war noch eine Sache, die ihm Kopfzerbrechen machte...

„Lass uns zu
mir fahren“ bat Lenya Friedbert leise. Friedbert hatte das kommen sehen und
konnte vor Aufregung kaum den Wagen steuern.
Lenya zog ihn hinter sich her in ihr Schlafzimmer. Sie streifte sich und dem
total nervösen Friedbert die Kleidung ab
und kuschelte sich mit ihm aufs Bett. Friedbert hielt Lenya im Arm und wusste
nicht was er tun sollte oder was sie von ihm erwartete...

„Du darfst
mich ruhig berühren“ flüsterte sie. „Ich... ich weiß nicht wo... oder wie...“
stammelte er unsicher und hatte wieder einen leuchtend roten Kopf.
„Wo du möchtest...“ Friedbert schluckte. Seine Stimme wurde immer leiser.
„Ich war noch nie mit einer Frau zusammen...“

Lenya sah ihn
erstaunt an. „Noch nie?“ Friedbert traute sich nicht sie anzusehen.
„Nein, ich bin eine, kleine, dumme, blonde Jungfrau...“ Lenya lächelte und zog
Friedbert zu sich heran.
„Dann werden wir das jetzt aber mal ganz schnell ändern...“

„Mach mir
einfach alles nach“ flüsterte sie ihm zu. „Lasse dich von deinen Gefühlen
leiten..
Du wirst schon spüren ob ich es mag oder nicht...“ Sie küsste ihn und ihre Hände
glitten sanft über seinen Körper.
Unsicher folgte er Lenyas Anweisung. Vorsichtig, als wäre sie aus zerbrechlichem
Glas,
fuhr er mit seinen Fingerspitzen über ihre Schultern, hinab über das
Schlüsselbein zu ihrem Busen...

Er spürte ihre
weichen Rundungen unter seinen Händen, nahm ihren Geruch auf, ihre Wärme...
Und dann ließ er sich endlich von seinem Gefühl leiten. Er berührte sie,
liebkoste sie am ganzen Körper und
sparte auch die Stellen nicht aus, vor denen er sich so gefürchtet hatte...

Sein Instinkt
führte ihn mit Lenya zusammen und er bewegte sich mit ihr im Rhythmus der Liebe.
Was waren alle Teleskope und Bücher der Welt, wenn die Frau, die man liebt,
einem das Universum schenken kann...
