Der Fehler meines Lebens von Lenya
Teil 15: Niels
| Niels stand vor dem grauen Betonklotz, der sich Wohnheim
nannte. Er hatte endlich sein Studium begonnen, hatte endlich seine Jugendjahre hinter sich gelassen, die so chaotisch endeten. Er war der erste Neuankömmling in diesem Haus, so durfte er sich sein Zimmer noch selbst aussuchen. Er entschied sich für das hinterste Zimmer im obersten Stockwerk, er hoffte dort seine Ruhe zu haben. ![]()
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| Noch am selben Tag fuhr Niels in den kleinen
Klamottenladen auf dem Campus, um sich ein paar anständige Sachen zu kaufen. Lutz hatte ihm Geld zugesteckt und ihm gesagt er solle sich vernünftig anziehen, wie solle er sonst all die hübschen Mädchen auf dem Campus beeindrucken und er sei ja schließlich ein ansehnlicher junger Mann. Niels besorgte sich also etwas, obwohl er nicht mal wusste ob er überhaupt Interesse daran hatte irgendjemand mit seinem Äußeren zu beeindrucken. ![]()
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| Niels schrieb sich in die Mathematikkurse ein und widmete
sich mit all seiner Energie dem Studium. Er beschäftigte sich kaum mit seinen Komolitonen, er hielt sich abseits ihrer Albernheiten und Spiele. Niels versteckte sich hinter seinen Büchern und versuchte sich von dem abzulenken, was ihn so beschäftigte, ihn zu seinem Missfallen von seinem Studium abhielt: seine Eltern. ![]()
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| So versuchte er die Welt um sich herum zu ignorieren und
bekam nicht mit, das sie ihm nicht den gleichen Gefallen erwies, in Form einer jungen Frau, die sich von dem schweigsamen, traurig wirkenden jungen Mann angezogen fühlte. Sie fand vom ersten Tag an Gefallen an Niels, er unterschied sich so von den Großmäulern hier, die außer Studentenfeten und Pizza nix anderes im Kopf hatten. Selbst von ernsthafter und zurückhaltender Natur, gefiel ihr der schüchterne junge Mann und da er sie nicht wahrzunehmen schien, entschied sie sich nun den ersten Schritt zu machen. ![]()
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| Niels war in sein Buch vertieft, als ihn eine sanfte
Stimme aus seinen Studien riss. „Hi Niels...“ Er sah auf und vergaß den Mund zu schließen, als er sah wer zu ihm sprach. Vor ihm stand Stella Terrano, ein außergewöhnlich hübsches Alienmädchen, das ebenfalls neu auf dem College war. Niels schloss schnell seinen Mund, was sollte sie von ihm denken, wenn er sie wie ein Obertrottel mit offenem Mund anstarrte! ![]()
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| Niels räusperte sich. „Hi Stella...“ „Darf ich mich zu dir setzen?“ fragte Stella mit einem freundlichen Lächeln. Niels schoss das Blut in den Kopf. „Sicher... klar, warum nicht...“ Stella setzte sich zu ihm, etwas dichter als gewöhnlich und ihre Nähe ließ ihm heiß und kalt werden. Niels konnte es nicht fassen, sie sprach mit ihm, sie saß neben ihm, das Mädchen, das ihm von Anfang an hier keine Ruhe ließ. Niels sah sie unten in der Cafeteria zum ersten Mal und seitdem war er in sie verknallt, das einzige grünhäutige Mädchen hier auf dem Campus. ![]()
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| Doch da gab es etwas, das ihm Schwierigkeiten machte. Es
war nicht die Tatsache das sie ein Alien war, es war eher die Tatsache was Aliens taten, nämlich Sim-Männer entführen und sie schwängern. Wäre das nicht der Fall, hätte Friedbert nicht die Möglichkeit gehabt seinen Vater zu schwängern und vielleicht, wirklich nur vielleicht, wäre Friedbert nie auf seinen Vater aufmerksam geworden, und vielleicht hätten sich seine Eltern dann nie scheiden lassen. ![]()
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| Sicher war es ungerecht den Aliens dafür die Schuld in
die Schuhe schieben zu wollen, aber Niels fühlte den starken Schmerz, den die Trennung seiner Eltern verursacht hatte. Auf der anderen Seite fühlte Niels Dinge, die er noch nicht kannte, er fühlte seinen Körper reagieren, wenn er sie nur ansah, er spürte den starken Wunsch mit ihr zusammensein zu wollen. Aber was wenn er wie sein Vater war? Wenn er nicht treu sein konnte, wenn er bei jeder Schwierigkeit einfach abhauen würde? Wäre es da nicht besser von vornherein auf einen Partner zu verzichten? ![]()
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| „Niels? Alles in Ordnung mit Dir?“ Niels sah erstaunt in
Stellas Gesicht. „Ja, ja alles ok, entschuldige bitte.“ „Ich wollte mich sehr gerne mit dir unterhalten, aber wenn du mir nicht zuhörst, wird das schwierig“ antwortete Stella dem verlegenen Niels. „Du sitzt immer so alleine da und ich dachte vielleicht hättest du Lust auf einen kleinen Spaziergang...“ „Spazieren gehen? Mit dir?“ fragte Niels erstaunt. „Nur wenn du magst, du musst nicht.“ Niels sprang auf und stopfte das Buch zurück in den Bücherschrank. „Doch, doch sicher, lass uns gehen...“ ![]()
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| Sie liefen schweigend die Straßen des Campus entlang.
Niels wusste nicht was er sagen sollte und bereute schon fast mitgegangen zu
sein, als Stella anfing zu reden. „Du bist immer so ernst und beteiligst dich kaum am Campusleben, ich wollte nur wissen ob du ok bist.“ Niels schüttelte den Kopf. „Ich hab nichts, danke. Mir ist das Geblödel der Anderen nur zuviel, ich bin hier um zu lernen. „Das Leben besteht nicht nur daraus“ erwiderte Stella. „Du versuchst etwas zu kompensieren.“ Abrupt blieb Niels stehen. „Ich wüsste nicht was dich das angeht.“ ![]()
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| Im nächsten Moment tat Niels seine schroffe Antwort leid.
„Entschuldige. Aber es hat mich schon lange niemand mehr gefragt wie ich mich fühle, außer mein Vater, ehe ich hier herkam...“ „Dein Vater, war das der schwangere Mann, der dich hergebracht hatte?“ Niels fiel aus allen Wolken. „Woher weißt du dass er schwanger ist? Er war da ja noch gar nicht so rund, das man das vermuten könnte...“ Stella lächelte wieder. „Ich bin Halb-Alien, das müssen die Gene sein. Ich erkenne einen schwangeren Mann auf hundert Meilen Entfernung, wenn es sein muss.“ ![]()
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| „Du bist nur Halb-Alien?“ fragte Niels verdattert „Ja,
entstanden auf die gleiche Weise wie dein Dad sein Kind empfangen hat.“ „Du sprichst von einer Entführung“ meinte Niels. „Mein Vater wurde nicht entführt. Mein Vater wurde von seinem eigenen Ehemann geschwängert, einem einheimischen Sim, einem durchgeknallten Wissenschaftler.“ „Du sprichst davon als würdest du das nicht gutheißen“ erwiderte Stella. „Nein“ seufzte Niels. „Es ist widernatürlich. Mein Vater hat das nicht freiwillig mitgemacht und er leidet darunter, ich weiß es. Die Natur hat sich etwas dabei gedacht, als sie die Frauen dazu bestimmte die Kinder auszutragen.“ ![]()
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| Stella nickte zustimmend. „Ich bin auch nur ein
Experiment und es ist weiß der Himmel nicht schön mit diesem Wissen zu
leben.“ „Du bist ein wunderschönes Experiment, Stella“ erwiderte Niels leise und drehte sich beschämt weg. „Und du bist sehr süß, wenn du so schüchtern bist“ gab Stella das Kompliment ebenso leise zurück. Niels sah sie unsicher an, als Stella einen Schritt auf ihn zuging und ihre Arme um ihn legte. „Du schaust immer so traurig, ich würde gerne etwas gegen deinen Kummer tun, wenn ich darf.“ ![]()
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| Als Niels sie nur ansah und nicht zurückwich, küsste
Stella ihn. Sein Herz tat einen Sprung und seine Knie fühlten sich wie Wackelpudding an. Stellas „Ablenkungsmanöver“ tat seine Wirkung und zum ersten Mal verfluchte Niels sich dafür, das er als Teenager eher seine Bücher geküsst hatte, als ein Mädchen... ![]()
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| Stella löste sich wieder von ihm und so wie sie lächelte,
schien er sich bei seinem ersten Kuss nicht zu dämlich angestellt zu haben. „Wie fühlst du dich nun?“ fragte sie ihn. „Ein wunderbares Ablenkungsmanöver ist das“ antwortete Niels und grinste. „Bekomm ich das nur einmal, oder könntest du dich mit dem Gedanken tragen mich noch öfter so abzulenken?“ Stella zog ihn wieder dicht an sich heran. „So oft du nur willst, mein Schatz.“ ![]()
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| Teil 16 - Ängste |