Der Fehler meines Lebens von Lenya
Teil 6 - Lars Hochzeit
| Am nächsten Morgen wachte ich gerädert auf und machte mir
erstmal einen starken Kaffee. Ich versuchte mich von meinen konfusen Gedanken anzulenken, die mich jetzt seit Tagen jagten. Ich wusste auch nicht was ich von Laras gestrigem „Überfall“ halten sollte, nachdem sie mich die letzte Zeit immer so kurz gehalten hatte.
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| Trotz meiner Müdigkeit hatte es Spaß gemacht und die
Erkenntnis, dass ich sowohl meine Frau, als auch mein „Verhältnis“ befriedigen konnte, brachte mir ein neues Hochgefühl. Ich fühlte mich seit langem wieder bestätigt, bestätigt als Mann, als Liebhaber...
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| Dieses Wochenende hatten wir seit langem gemeinsam frei und
wir verbrachten es mit all den Dingen, die ebenfalls lang auf der Strecke geblieben sind: Shopping, essen gehen, tanzen. Wir hatten endlich wieder etwas Spaß abseits des Alltags. Spaß, den wir beide dringend nötig hatten...
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| Und doch fühlte ich wie es an mir nagte, die ständigen
Gedanken an Friedbert, die mich nicht losließen, meine Erlebnisse mit ihm, die mir ständig im Kopf herumgeisterten, weil sie sich so von dem unterschieden, was ich mit Lara erlebte...
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| Ich fühlte mich nun noch schlimmer als jemals zuvor. Lara
hatte wohl gemerkt, dass sie mich vernachlässigte und versuchte ihre knappe Zeit mehr mit mir zu verbringen. Und ich dankte es ihr, indem ich sie weiterhin mit Friedbert betrog. Jedes Mal wenn er anrief, lief ich zu ihm, teilte das Bett mit ihm. Er war so leidenschaftlich, so einnehmend, ich konnte mich nicht mehr von ihm losmachen. Ich war regelrecht abhängig von ihm...
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| Ich war fortan nur noch beschäftigt meine persönliche
Dreiecksbeziehung Arbeit – Lara - Friedbert zu bewältigen, und oh Wunder, ich schaffte es irgendwie. Solch ein Fehler, wie damals mit dem zerstörten Relais, ist mir nicht mehr passiert und mein Chef hatte die Sache vergessen. Ich war weiterhin der besorgte Vater und Ehemann und wenn Lara Spätschicht hatte, der leidenschaftliche Liebhaber... Es hatte sich zur Gewohnheit eingelaufen und ich genoss es, auf allen Hochzeiten tanzen zu können.
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| Eines späten Abends schlich ich mich wieder aus Friedberts
Schlafzimmer, als ich eine Gestalt im Flur erkannte. Es war Lars. „Vater, was machst du hier um diese Zeit?“ Ich war so überrumpelt, das mir nur eine blöde Gegenfrage einfiel. „Warum bist du noch nicht im Bett?“ Lars schüttelte den Kopf und lachte leise. „Weil ich dich öfter des Nachts aus unserem Haus schleichen sehe! Und weil ich endlich mit dir darüber reden möchte!“
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| Lars nahm mich mit ins Wohnzimmer und bedeutete mir, mich
auf die Couch zu setzen. „Vater, was ist mit dir los? Ich weiß was zwischen dir und Friedbert läuft. Warum tust du das? Du und Mutter, ihr wart immer das Traumpaar schlechthin! Was ist los?“ Ich ließ den Kopf hängen. Es war wirklich naiv von mir anzunehmen, dass Lars nichts davon mitbekommen würde. Ich hätte doch davon ausgehen müssen, das der gesamte Kurios-Haushalt wusste was da lief...
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| „Ich weiß es nicht“ antwortete ich leise. „Es ist einfach
so passiert, und nun kann ich nicht mehr aufhören...“ Lars schüttelte traurig den Kopf. „Hast du dir eigentlich Gedanken darüber gemacht was du Mutter damit antust? Oder liebst du sie nicht mehr?“ „Doch, eigentlich schon...“ „Und Friedbert? Liebst du ihn auch?“
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| Ich saß da und grübelte. Was war das, was ich für Friedbert
empfand? Liebe? Oder war es nur der Kick? Ich wusste es nicht. Ich hatte keine Antwort darauf. „Keine Ahnung“ sagte ich nur, und Lars schüttelte zum wiederholten Male den Kopf. „Du musst wissen was du tust. Aber als euer Sohn kann ich das nicht gutheißen.“ „Ich weiß. Bitte, tu mir einen Gefallen, erzähle Lara nichts davon. Das ist meine Sache, da muss ich durch.“
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| „Keine Angst, ich sage nichts. Doch du musst dir etwas
einfallen lassen. Pascal und ich werden in vier Wochen heiraten. Ihr seid alle hierher zur Hochzeitsfeier eingeladen, und du musst sehen, das du das vorher klärst.“ „Mach ich schon, keine Bange.“
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| Ich klärte natürlich gar nichts. Ich war einfach zu feige
und schon viel zu tief in der Sache drin, als dass ich etwas dagegen tun
konnte... So vergingen die vier Wochen bis zur Hochzeit. Lara wollte direkt von der Arbeit dahin kommen, da sie wieder Spätschicht hatte, und Niels wollte noch vorher bei einem Kumpel vorbei. So machte ich mich alleine auf die Socken, hoffend dass niemand etwas verraten würde, wenn Lara auftauchte...
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Lars und Pascal wurden in
einer wunderschönen Zeremonie getraut und ich stand die ganze Zeit neben meinem
Liebhaber,
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Ich hörte die Worte, die sich
die Brautleute sagten, die Worte von ewiger Liebe und Treue, die ich damals auch
zu Lara sagte,
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Mit gemischten Gefühlen sah
ich meinen Sohn bei seiner Hochzeit, er schien so glücklich, glücklich wie ich
auch einst war.
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Die Hochzeitstorte wurde
angeschnitten und Lara war immer noch nicht da. Ich wurde langsam wütend auf
sie,
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Lara stand hinter uns. Sie war
doch noch gekommen. Nun wusste sie es, sah es mit eigenen Augen.
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| Lara brach in Tränen aus und lief davon. Lars sprang auf
und wollte zu seiner Mutter gehen, doch Lutz, Pascals jüngerer Bruder, hielt ihn davon ab. „Es ist Eure Hochzeit, bleib da. Ich geh´ schon.“ Er lief Lara hinterher und redete auf sie ein.
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| Ich stand da, mit brennenden Wangen. Langsam ging ich ins
Haus hinein. Ich setzte mich auf die Couch und heulte. Ich hatte meine Frau betrogen, die Hochzeit meines Sohnes versaut, war nun unglücklich und alleine... Ich zerfloss wieder mal in Selbstmitleid und hatte am allerwenigsten Recht darauf.
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| Friedbert kam zu mir und wischte mir sanft die Tränen von
der Wange. Oh, wie ich seinen Trost brauchte, seine Zuwendung... Genau die Zuwendung, die mich ins Unglück gestürzt hatte! Doch er war nun alles was ich hatte.
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| Lutz kam ein paar Minuten später herein. „Sie ist gegangen, Terry. Sie will dich nie wieder sehen.“
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| Teil 7 - Absicht |